Kritiken

 

Nichts ist in Ordnung, auch wenn die Schändung nicht zu sehen ist. Zu sehen sind nicht die Menschen, sondern nur Spuren, Reste von ihrem Leben. Die Brutalität ist eine Geschichte die sich im Kopf abspielt. Der geistige Prozess der zur Tat führt ist schlimmer als die Tat. Der Bildbetrachter wird - ob er will oder nicht - zum Täter, indem er mit den Augen des Täters sieht und dessen Gedanken denken muß, er ist Voyeur so wie der Täter selbst, und die Voyeure sind die Schlimmsten.
Der Gegenstand ist die Aussage in diesen Bildern, um ihn geht es, von ihm geht die Beunruhigung aus. Peter Semlitsch agiert mit dem Gegenstand, erfindet ihn, komponiert ihn in allen Details, läßt ihn mit groben Strich und unbarmherzigen Kontrasten in beklemmender Räumlichkeit hervortreten.
Die Bilder gehen über den Expressionismus hinaus, sie sind nicht mehr der Aufschrei gegen das Verbrechen, sie sind Initiierung des Verbrechens. Sie sind mehr als Ausdruck und Aussage, sie sind psychologische Instrumente die Mittäterschaft erzeugen. Sie sind abstoßend und das ist ihre Qualität.
[ Ursula Riederer ]

Bilder, die "sprechen" können durch Rätsel, die zu stellen sie vermögen. In der Metapher wird das allzu Konkrete fremd. Zum entscheidenden Rätsel. Durch ein solches wird sichtbar, was wir sonst am zu Nahen und Selbstverständlichen übersehen. Der Betrachter, wenn er unerschrocken begegnet, beginnt zu antworten, zu ergänzen und zu erkennen. Vorläufig, nicht abgeschlossen. Er ist ein "Gebärender" in dieser gleichsam sokratischen "Hebammenkunst" der Malerei.
[ Herbert Schranz, Kritiker (Salzburger Volkszeitung) ]