Peter Semlitsch beschäftigt sich sehr gerne mit den sonderbaren Erscheinungsformen des Lebens. Auch deshalb, weil ihm die sonderbarsten Dinge ständig selbst widerfahren:
Als er im Alter von etwa 20 einen Blinddarmdurchbruch erlitt, stolperten die Sanitäter mit der Bahre im Schlamm einer Baustelle vor dem elterlichen Haus und der Patient stürzte kopfüber in das aufgeweichte Erdreich. Später platzte die frische Naht, als ihm sein Vater zwecks Aufmunterung ein paar Witze erzählte. Vor etwa zwei Jahren traf ihn während des Heimwegs ein Blitz, der ihn zu Boden warf und so bat er einen ihn begleitenden Freund ihn in Ruhe sterben zu lassen... Der Stromstoß hatte allerdings keine gröberen Spuren hinterlassen.

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Eine offene Hutnadel, in der Form einer Sicherheitsnadel, erregte das Interesse des Kleinkindes während einer Autofahrt. Es verschluckte den spitzen Gegenstand so unglücklich, dass es keine Luft mehr bekam. Herausziehen war unmöglich, deshalb drückte die Mutter die Nadel nach unten, um dem Kind Erleichterung zu verschaffen und fuhr rasch ins Krankenhaus. Der behandelnde Arzt traf die falsche Entscheidung: statt die Nadel in den Magen zu manövrieren, versuchte er, den Gegenstand herauszuziehen und zerfetzte dabei die Speiseröhre. Der Kreislauf des Kindes entglitt den Ärzten und als keine Lebenszeichen mehr festzustellen waren, wurde es für tot erklärt. Lediglich der Aufmerksamkeit einer Krankenschwester hat Peter Semlitsch zu verdanken, dass er noch lebt. Sie bemerkte eine Regung und rief die Ärzte zurück. Das Kind konnte reanimiert werden. Ohne Herz-Lungen-Maschine wurde es operiert und überlebte den Eingriff. Seither erinnern nicht nur die riesigen Narben und ein Speiseröhrenstück aus Kunststoff an das Geschehene: Peter Semlitsch kann sich an einzelne Eindrücke noch erinnern und ist seither schon viele Nächte im Traum gestorben.

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Die Angst vor dem Tod, vor dem Sterben begleitete Peter Semlitsch seit seinem schweren Unfall besonders in seiner Kindheit. Ein weiteres traumatisches Erlebnis war der Tod eines herzkranken Mädchens in der Nachbarschaft. Bei der Aufbahrung, wurde der etwa fünfjährige Peter Semlitsch hochgehoben, um das tote Kind zu betrachten. Dieser Anblick war traumatisch und hat sein Entsetzen vor dem Tod aufs Neue angefacht. Angst verband er nicht nur mit dem Sterben an sich, auch bestimmte Gegenstände empfand er als furchteinflößend: Kameras, Puppenaugen, die Muttergottes am Seitenportal der Kirche in Fernitz, an der er vier Jahre lang nur mit geschlossenen Augen vorbeiging, weil ihr Anblick in ihm unendliches Grauen erweckte. Völlig deplaziert war er daher als Ministrant: Diese Funktion erfüllte er nur kurze Zeit, weil er bei Begräbnissen das Kreuz nicht direkt vor dem Sarg trug sondern immer eine Mindestdistanz von etwa zwanzig Metern zum Sarg einzunehmen pflegte...

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Ein Erlebnis der besonderen Art hatte Peter Semlitsch während seiner Volksschulzeit. Bei einem Waldspaziergang lief er den Eltern plötzlich davon, bis er atemlos vor einer Wurzel zu stehen kam, im Erdreich wühlte und ein Goldkettchen ausgrub, von dessen Existenz er nichts gewusst hatte. Diese eigenartige Geschichte lässt ihn bis heute nicht los und mag wohl auch Mitursache für sein Interesse am Sonderbaren sein, aber auch für sein Bedürfnis, hinter den Dingen etwas anderes sehen zu wollen, die eigentliche Wirklichkeit, wie immer diese auch sein mag.

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Peter Semlitsch ist in seiner Familie eine Ausnahme. Niemand teilt sein Interesse für Kunst und es ist unerklärlich, warum er schon als Achtjähriger allein mit dem Zug nach Wien fuhr, um Ausstellungen zu besuchen. Bei Familienurlauben war er in den Museen unterwegs, während die Familie einen Stadtbummel machte. Gelegentlich unterhielt er andere Museenbesucher mit seinem schier unerschöpflichem Wissen über Kunst und Künstler. Das Profane, das Populäre hat ihn nie interessiert. Als Kind war er Eidetiker, diese Fähigkeit hat mit dem Erwachsenwerden nachgelassen; sein visuelles Gedächtnis ist jedoch nach wie vor außergewöhnlich.

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Als Jugendlicher stand Peter Semlitsch in aller Herrgottsfrüh im Pyjama auf dem Acker und malte auf Teufel-komm-raus. Leider stieß er damit nur auf Spott ... Selbst seiner Familie war sein untypisches Verhalten höchst peinlich, obwohl man ihnen zu Gute halten muss, dass sie ihn in keinster Weise behindert und seine Mutter kommentarlos die Ölfarbenspuren, die sich tagtäglich im Haus ausbreiteten, beseitigte.

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Mit dem absoluten Abgrund des Lebens, dem Tod, bereits so früh konfrontiert, faszinierten Peter Semlitsch schon immer die Abgründe der menschlichen Seele, das "Warum" versucht er durch die eingehende Beschäftigung mit der Philosophie zu ergründen, auch die Hirnforschung hat es ihm angetan. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Missbrauchsthema findet ihre Ursache ebenfalls in seiner Kindheit: Im Alter von etwa 8 Jahren wurde er auf dem Nachhauseweg von einem vermutlich pädophilen Mann in dessen Fahrzeug gezerrt, er schaffte es jedoch, sich frei zu strampeln und sich aus dem fahrenden Wagen zu stürzen.

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Biografie

 

Peter Semlitsch' bisheriges Leben mag nach außen hin wohlgeordnet und beinahe bieder erscheinen, in Wirklichkeit begann die ihm zugrunde liegende Skurilität bereits vor seiner Geburt am 17. April 1968, da seine Mutter bis kurz vor der Entbindung in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie in Graz als Pflegerin tätig war ... Einschneidend und prägend sollte vor allem ein tragischer Unfall sein, der Peter Semlitsch als Einjährigen um ein Haar ins Jenseits befördert hätte. Die Rekonvaleszenz dauerte lange und veränderte den Jungen grundlegend. Das Gefühl der unausprechlichen Angst, das die unterschiedlichsten Gegenstände und Umstände in ihm auslösten, begleitete ihn vor allem in seiner frühen Kindheit. Diese bedrohlichen Einflüsse zu mystifizieren, bedeuteten für das Kind Erleichterung und Möglichkeit zur Flucht aus dem täglichen und nächtlichen Entsetzen. Ohne äußere Anregung begann Peter Semlitsch früh, völlig in Kunst und klassischer Musik aufzugehen, zwei Bereiche, die ihm stets die wichtigsten geblieben sind. Die Schulzeit erlebte er als einsamer Außenseiter, verträumt, von vorneherein von einer Passion erfüllt, die ihn seiner Umgebung stark entfremdete. Als Sonderling von einer verständnislosen Umwelt abgestempelt, erfüllte ihn eine grenzenlose Wut über die Verachtung, mit der ihn die Welt für seine Liebe zur Kunst strafte. Verbissen eiferte er von klein auf seinen großen Vorbildern nach, ständig geplagt von überdimensional großen Selbstzweifeln, die ihn jedoch nicht hemmten, sondern ständig vorantrieben, und die Grundlage für sein stark verfeinertes Farben-, Formen- und Kompositionsgespür bildeten. In seinen schulischen Leistungen behinderte ihn seine einseitige Begabungsausprägung sehr, seine Willenskraft ermöglichte ihm trotzdem den Abschluss der HTL Ortwein. Seine künstlerischen Ansichten divergierten schon damals stark mit jenen seiner Lehrer, diese Tendenz verstärkte sich noch während seines Studiums am Salzburger Mozarteum. Diese Jahre bedeuteten eine starke Belastung für sein Selbstvertrauen und er benötigte nach Abschluss des Studiums einige Zeit, um entsprechende Ausdrucksmittel für die Auseinandersetzung mit seinen Ängsten und seiner Weltwahrnehmung zu finden. Die extrem kritische Einstellung sich und seinem Schaffen gegenüber hat seiner künstlerischen Ausdrucksfähigkeit gut getan. Er hat die Zeit genützt, sich mit grundsätzlichen gesellschaftlichen Problemen eingehend zu beschäftigen und seine Sicht künsterisch zu verarbeiten und ist jetzt bereit für seinen Gang in die Öffentlichkeit.

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